|
Um es gleich vorweg zu sagen, dem Ratinger Lokalmatador Hans Willi Poensgen begegnet man nicht hinter einem gewaltigen Schreibtisch, von dem aus er seine Anweisungen fernmündlich oder schriftlich an seine Geschäftsführer, Küchenmeister, Kellnerinnen und Kellner und an das Heer seiner Lieferanten gibt. Ihn erwischt man nur an den Brennpunkten seiner Branche zwischen Theke und Gastraum oder vielleicht auf dem Schlachthof oder dem Grossmarkt. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn er mit den Tischlern in der "Alten Rheinfähre" schwere Holzplanken in die neue "Zirbelstube" schleppt.
"Selber zupacken, sich für nichts zu schade zu sein, das gehört zu meinen Lebensprinzipien", meint Hans-Willi Poensgen, und man merkt es ihm an, daß er nur zögernd auf seine Grundeinstellung eingeht. Der Ratinger Gaststättenchef sagt es mit einem Lächeln, leise und liebenswürdig. Dabei verrät er, daß er sich selbst zum Geburtstag ein besonderes Geschenk gemacht habe. Im Café-Restaurant "Alte Rheinfähre" wird gerade eine Renovierung vorgenommen. Mit 200 Jahre altem Zirbelholz aus einer österreichischen Bauernstube gestalten die Handwerker einen Gastraum mit "Lisenen" an den Wänden, aufgesetzen Säulen, mit Nischen, einer Kassettendecke und stilvollen schmiedeeisernen Lampen. Das geschieht nach der Idee des Inhabers.
Am 14. Mai 1933, am Anfang einer schweren Zeit geboren, erlitt Poensgen 1943 den Verlust seines Vaters Theo, der in Rußland vermißt wurde. Der junge Hans-Willi machte eine Lehre als Koch im Düsseldorfer Restaurant "Rheingold" und trat danach seine erste Stellung im Breitscheider Hotel "Krummenweg" an. Da erlegte ihm das Schicksal 1951 plötzlich eine Bürde auf. Seine Mutter war schwer erkrankt. Der junge Mann wurde per Taxe ins elterliche Bahnstraßen-Restaurant "Zum treuen Husaren" gebracht und seine verantwortliche Arbeit für das eigene Unternehmen begann. Frühzeitig setzte sich sein zielstrebiger Charakter durch. Sogleich erweite er das Speisenangebot und er führte die Schlachtfeste zum 1. Mai und zum Vatertag ein. 1952 wurden die ersten Verträge mit der St.-Sebastiani-Bruderschaft Ratingen abgeschlossen, die er, als noch nicht geschäftsfähig, von der Mutter unterschreiben lassen musste. 1955 war ein bedeutendes Jahr für die Familie Poensgen. Der Spiegelsaal wurde gebaut, der damals größte Saal in Ratingen. Noch bis 1964 war Mutter Erna Poensgen die Seele im Hause. Dann übernahm ihr Sohn die Leitung der Gaststätte. 1964 wurden die beiden Söhne Dirk und Thomas geboren.
Mit ungeheurer Willenskraft trieb der junge Chef die Entwicklung voran. Im Rythmus von vier Jahren vergrößerte sich der Gaststättenbetrieb. 1968 wurden die Suitbertus-Stuben in der Oberstrasse eröffnet, 1972 die "Alte Rheinfähre" in Düsseldorf-Kaiserswerth, 1976 das Stadhallen-Restaurant, 1980 der "Berliner Bär" in Ratingen-West, 1982 die "Pistenbar" in der Eislaufhalle. Die Liste der Festwirteinsätze wuchs und wuchs in Ratingen, Tiefenbroich, Lintorf, Hösel, Düsseldorf-Wittlaer, Düsseldorf-Niederkassel, Essen-Werden.
|